Unter Trägerschaft des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften (iaf) und in Kooperation mit dem Gesundheitsamt, dem Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie der Volkshochschule, startete die Bürgerstiftung Bonn an drei Bonner Kindertagesstätten das 18- monatige ´Rucksack-Projekt`. Das in den Niederlanden entwickelte Projekt wurde in den vergangenen Jahren bereits in vielen deutschen Städten erfolgreich umgesetzt. Es zielt mittels Sprachförderung und Elternbildung auf eine bessere Integration ausländischer Familien.
Praktisch funktioniert das ´Rucksack-Projekt`so: Zunächst werden drei Mütter, die sowohl ihre Muttersprache als auch die deutsche Sprache gut beherrschen, zu sogenannten ´Stadtteilmüttern` ausgebildet. Die Stadtteilmütter erhalten Materialien in der jeweiligen Muttersprache (türkisch, russisch oder arabisch), mit denen sie 1-mal pro Woche ein Gruppentreffen mit Müttern durchführen. Die Mütter werden von den Stadtteilmüttern ´huckepack`genommen, um Verantwortung für die Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu übernehmen. Ein besonderes Element des Projektes ist, dass die Mütter als Expertinnen für das Erlernen der Erstsprache angesprochen werden, nicht orientiert an ihren Defiziten sondern an ihren Stärken. In der Müttergruppe bekommen die Frauen einen Sieben-Tages-Plan mit verschiedenen Bastel- und Malspielen zu einem bestimmten Thema. Die Themen wechseln alle vier Wochen und umfassen Bereiche wie die Jahreszeiten, Essen und Trinken oder die häusliche Umgebung. Die Mütter arbeiten zunächst gemeinsam an den Aufgaben, bevor sie sie zu Hause mit ihren Kindern umsetzen. Zusätzlich finden in der Kindertagesstätte sogenannte spracheinheiten statt. Dort werden Migrantenkinder spielerisch in der deutschen Sprache gefördert. Die Spiele kommen aus dem gleichen Themenbereiche, der parallel in den Müttergruppen auf der Tagesordnung steht. Das heißt, die Kinder machen das gleiche in deutscher Sprache, was sie nachmittags mit ihren Müttern in der Familiensprache umsetzen.
Die Ergebnisse des Projekte sprechen für sich. Unabhängig von den Sprachtests des Gesundheitsamtes sind im Projektverlauf immer wieder Beispiele deutlich geworden die ganz konkret die Fortschritte im Projektverlauf belegen: die deutlich selbstbewußtere und aktivere Teilnahme der Kinder an den Aktivitäten der Kindertagesstätte, in Einzeläfällen die Einbindung einiger Familienväter und das erkennbare, gestiegene Selbstvertrauen und Interesse der Mütter. So haben diese zum Beispiel mit Begeisterung eigenverantwortlich die Organisation von Festen übernommen und nehmen am allgemeinen Leben der Kinder aktiver teil.
Ab September 2007 wird die Stadt Bonn das ´Rucksack-Projekt` in ihr Integrationskonzept aufnehmen. Sie übernimmt damit die zukünftige Förderung und wird das Projekt auf weitere drei Bonner Kindertagesstätten ausweiten. Durch die direkte Übernahme von Seiten der Stadt können die Erfahrungen des Projektjahres weiter genutzt werden. Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften und die Frauen in der Kindertagesstätte werden das Projekt weiterhin sehr engagiert und qualifiziert führen.