Stifterportrait

Ein Leben für Recht, Werte und Hilfsbereitschaft

Lianne Franzky gründete vor ihrem Tod eine Stiftung zur Förderung hochbegabter Kinder

Schon zu Lebzeiten verfolgte Lianne Franzky eine klare Absicht: Sie wollte mit ihrem als Rechtsanwältin erarbeiteten Vermögen etwas aus ihrer Sicht überaus Sinnvolles tun. Darum entschloss sie sich früh, unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn eine Stiftung zu errichten. Sie kommt allgemein hochbegabten Kindern zugute, deren Förderung ihre Eltern nicht oder nicht im notwendigen Umfang leisten können. Lianne Franzky starb bereits 2009. Eine treue Wegbegleiterin der in Bremerhaven geborenen Stifterin ist die Bonner Juristin Irene Bäumler, die mehrere Jahre im Stiftungsvorstand mitarbeitete. Sie erinnert sich.

„Frau Franzky hat es sehr genossen, die Kinder und Jugendlichen zu sprechen, sie zu erleben, die sich um eine Unterstützung aus ihrer Stiftung bemüht haben“, erinnert sich Irene Bäumler und fügt hinzu: „Dann sprach sie immer von ,meinen` Kindern.“ Was motivierte sie für die Zielgruppe der Hochbegabten mit "Einser-Zeugnis"? Warum war ihr das Soziale so wichtig? Irene Bäumler ist sicher: „Es war die eigene Erfahrung, die Tatsache, dass sie beispielsweise von ihrer Großmutter, einer stolzen und mutigen Frau, nicht nur betreut, sondern wo immer es möglich war, gefördert worden war.“ Dort hat die Stifterin möglicherweise auch ihren besonders ausgeprägten Sinn für soziale und menschenfreundliche Haltung gewonnen. Denn ihre Großmutter lebte ihr exakt dies vor, ließ sich etwa in der Nazizeit nicht davon abschrecken, „ihre“ Fremdarbeiter an den gemeinsamen Mittagstisch zu bitten.

Lianne Franzky zeigte ihr Herz für andere. Sie unterstützte Freunde und Bekannte, die in Not gerieten. Sie pflegte Freundschaften. Auch wenn diese klare Grenzen fanden. „Es gab persönliche Gespräche und sie interessierte sich beispielsweise für unsere drei Kinder sehr. Aber zu intim ließ sie es nie werden“, schildert Irene Bäumler die stattliche, 1.80 Meter große Juristin. Das wirkte sich auch auf den Umgangston aus: „Mich duzt niemand“, ließ sie ihr Umfeld wissen. „Das wirkte auf mich nie beleidigend. Sie war einfach äußerst klar und ehrlich“, sagt Bäumler. Und die Stifterin war konsequent, lehnte Dinge ab, die ihr nicht behagten. Durchaus gerne zeigte sie sich im ausgewählten Kreis hochrangiger Juristen und Freidemokraten. Hans-Dietrich Genscher und seine Ehefrau waren willkommene Gäste auf ihren Geburtstagsfeiern – stets mit dem vom Geburtstagskind so heiß geliebten Pflaumenkuchen mit Zimt.

Kolleginnen und Kollegen schätzten und respektierten Lianne Franzky als ausgewiesene Expertin und interessante Gesprächspartnerin. Einen Namen als in der Sache streitbare Person machte sich die Bremerhavenerin auch in jener Zeit, als sie Mitte der 90er Jahre von Potsdam aus an der heiklen und sensiblen Aufgabe der Mauergrundstücksrückgabe im Auftrag des Bundesjustizministeriums mitwirkte. Aufmerksam war sie auf die Tätigkeit durch Irene Bäumler geworden, die ihrerseits als Juristin Rückübertragungen aus dem Osten abgewickelt hatte.

Mit einem Schmunzeln erinnert sich Bäumler an ihr erstes Treffen mit ihrer späteren Wegbegleiterin. Diese kam zu einem Juristentreffen auf die Kölner Rennbahn. „Sie wirkte so selbstbewusst, kannte Gott und die Welt. Davon hättest Du auch gerne etwas“, habe ich damals gedacht. Und Lianne Franzky machte auch bei diesem Ausflug deutlich, dass sie wusste, was sie wollte. Dass ihr Wunsch, eines der Rennpferde reiten zu dürfen, abgelehnt wurde, enttäuschte sie maßlos: „Das hat man mir vorher versprochen“. Der Tag war für sie mehr oder weniger gelaufen.

Umso mehr genoss die Frau, der Disziplin und Pünktlichkeit als besondere Werte galten, in den Folgejahren Zeiten mit echten Freundinnen und Wegbegleiterinnen wie Irene Bäumler. Man verabredete sich, bummelte über den Kurfürstendamm in Berlin, genoss Theaterbesuche. Ihre besondere Liebe allerdings galt Reisen mit auserwählten Kreuzfahrtschiffen. Dass sie ausgerechnet auf einer spannenden Auslandsreise nach Indien schwer erkrankte, muss wohl als besonders tragisches Schicksal betrachtet werden. Hans-Dietrich Genscher tat alles, um sie ausfliegen zu lassen. Dass sie fortan auf Unterstützung anderer angewiesen war, gefiel ihr nicht. „Selbst- und Eigenständigkeit waren ihr stets besonders wichtig. Das prägte ihr Leben und ihr Verhalten“, weiß Irene Bäumler.
Bonn, den 15.09.2017

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