Stifterportrait

Eigentum verpflichtet als Lebensmotto

Pia und Christoph Gietz gründen einen Stiftungsfonds und lassen der Bürgerstiftung Bonn größtmögliche Handlungsfreiheit

Sie stehen mitten im Leben, haben das 60. Lebensjahr noch nicht erreicht. Und doch haben sich die Geschwister Pia-Maria und Christoph Gietz schon längst entschieden: Ihr Vermögen wird eines (fernen) Tages in den "Stiftungsfonds Gietz-Rosenwald" unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn fließen. Wozu diese es nutzt, möchten die beiden nicht detailliert festlegen. „Unsere Stiftung wird in den Bereichen Jugend- und Altenhilfe sowie Bildung und Erziehung fördern, in denen die Bürgerstiftung schon erfolgreich tätig ist."
Ihre Motivation, überhaupt eine Stiftung zu errichten, können sie dagegen sehr präzise definieren: „Wir sind nicht mit goldenen Löffeln auf die Welt gekommen. Was wir heute besitzen, ist das Ergebnis harter Arbeit. Und wir haben oft Unterstützung von anderen erfahren. Davon wollen wir etwas zurückgeben.“

Das Vermögen, das eines Tages in die Stiftung fließen wird, resultiert aus dem sparsamen Umgang mit dem selbst Verdienten und der klugen Investition in Immobilien. Das Credo der beiden, die keine eigenen Kinder haben, lautet: „Was wir sauer erarbeitet haben, soll nicht einfach verpuffen.“ Für Christoph steht fest: „Eigentum verpflichtet. Wenn sich jeder daran halten würde, könnte es auf diesem Planeten weitaus besser aussehen.“ Eine zusätzliche Motivation für ihn: „Ist ein Kinderlachen nicht viel mehr wert als ein dickes Bankkonto?“
Das ruft seine Schwester auf den Plan: „Unsere Stiftung, die wir ganz im Sinne unserer Eltern eingerichtet haben, wird aber nicht nur Kindern zugute kommen…“

Die Großzügigkeit ist den beiden in die Wiege gelegt. Ihre in Beuel verwurzelten und engagierten Eltern, die sich ihr „Ja-Wort“ im Petersdom gegeben hatten, lebten ihnen vor, was Gemeinsinn bedeutet. Sei es beim Aufbau des Freundeskreises Jugend im Museum e.V., den sie unterstützten, oder wenn es darum ging, jungen Menschen – häufig mit ausländischer Herkunft – als Praktikanten eine Chance zu bieten. „Unsere Mutter hätte für andere ihr letztes Hemd gegeben“, sind sich Pia, die heutige Kämmerin der Stadt Meckenheim, und Christoph, der studierte Geologe und Paläontologe, sicher.

Ihren Eltern Josefa (geb. Rosenwald) und Alfons fiel Eigentum nicht in den Schoß. Abgesehen vom Haus am Rhein, das sie erbten. Sie mussten wie viele hart nach dem Krieg arbeiten, sich durchkämpfen. Pia und Christoph unterstützten sie, wo es nur ging. Pia, in dem sie für einen Stundenlohn von zwei Mark als 13-Jährige auf andere Kinder aufpasste oder im Festzelt auf Pützchens Markt jobbte. Christoph, der samstags die Schule schwänzte, in einem Getränkeladen Kisten für vier Mark pro Stunde schleppte, um die Familienkasse aufzufüllen. Sein ansonsten durchaus strenger Schulleiter akzeptierte das stillschweigend, nachdem ihm bewusst geworden war, dass der damals 16-Jährige nicht aus Faulheit, sondern aus Familiensinn samstags nicht zum Unterricht erschien.

Die Denkweise, die diese Familie und damit auch Tochter und Sohn prägt, offenbarte sich schon bei der ersten Auslandsreise, die sie dank des Förderkreises Jugend in einem klapprigen Bus nach Griechenland führte. Der Devise der Reisegruppe: alles Geld wird zusammengeworfen, denn entweder fahren alle Kinder oder keines, schlossen sich Josefa und Alfons bedingungslos und voller Überzeugung an. Das große Gefälle der sozialen Möglichkeiten der Mitreisenden wurde so ausgeglichen. Noch heute erinnern sich Pia und Christoph daran, wie am Tag der Abreise das Taschengeld aller Kinder eingesammelt und gleichmäßig verteilt wurde. „Es war normal für uns“, sagen sie.

Die Geschwister sind geprägt von großer Dankbarkeit. Dafür, ihre Eltern derart menschenfreundlich erlebt zu haben („Dadurch ist das uns angeboren“), aber auch für die Wege, die das Leben für sie selbst parat hielt. Dass Pia nach ihrem Hauptschulabschluss und ihrer Lehre als Verwaltungsfachangestellte in Bornheim eines Tages ihr Abitur nachholen und ihr Studium mit einer später bundesweit beachteten Masterarbeit zu „Chancen und Risiken des Controllings als Führungsinformationssystem in der Kommunalverwaltung“ abschließen würde, hatte ihr zumindest die damalige Schulleitung nicht zugetraut. Sie schaffte es. Und Christoph: Er wurde schwerst bei einem Unfall verletzt, musste nach zwei Halswirbelbrüchen mühsam wieder laufen lernen. Dass ihn dies an der Ausübung seines Berufes hinderte, bedauert er. Aber er hadert nicht. Er ist dankbar: „Ich könnte auch bereits nicht mehr unter den Lebenden weilen oder im Rollstuhl sitzen.“

Pia und Christoph Gietz dürfen als Geschwisterpaar wie im besten Bilderbuch gelten. Sie begleiten und unterstützen sich, wissen sich einig in der Bereitschaft sich sozial zu engagieren, teilen Werte und viele Hobbies (Lesen, Musik, Reisen) und die Einstellung zur Ernährung. Aus der Dose kommt nichts auf den Tisch. Dafür aber viel Obst, Gemüse und selbst Eingekochtes mit Früchten aus dem eigenen Garten. Getragen werden sie von großer Gemeinschaft und intensivem Austausch mit vielen Freunden und der festen Überzeugung: „Wenn man anderen hilft, wird einem auch geholfen.“

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