Stifterportrait

Hart gearbeitet, bescheiden und zufrieden

Doris und Wolfgang Schöbel haben einen Stiftungsfonds zugunsten von Kindern errichtet

Es ist wohl glückliche Fügung, dass wir uns mit Doris und Wolfgang Schöbel ausgerechnet am ersten Tag von Pützchens Markt zum Gespräch treffen können. Denn in diesen Beueler Festtagen einen Termin mit dem Ehepaar, das einen Stiftungsfonds unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn errichtet hat, zu finden, ist gar nicht so einfach. Pützchens Markt ist ihm seit Jahrzehnten heilig. Heute mit knapp über 70 Jahren riskieren die beiden zwar keine Fahrt mehr mit den immer spektakulärer werdenden Fahrgeschäften. Doch eine Runde mit dem Riesenrad, der Schwenkbraten und das Bierchen, stets am traditionell gewohnten Stand – das alles ist Gesetz. Fünf Tage Pützchen, fünf Tage mit Doris und Wolfgang Schöbel. Und wenn es auch – je nach Wetterlage – beim Flanieren, Staunen und Schauen bleibt. Nur eine Ausnahme hat sich das Paar erlaubt. Da weilte es tatsächlich im Urlaub. Und trauerte in der Ferne: „Ach je, jetzt ist Pützchens Markt und wir sind nicht dabei.“ Den aus ihrer Sicht großen Fehler haben sie nie wieder begangen.

Ansonsten aber sind die gebürtige Berlinerin und ihr zwar in Haldensleben geborener, aber gefühlter Bonner (hier kam er mit fünf Jahren hin) Mann, „verrückt“ nach Reisen. „Wir leben ziemlich normal, leisten uns keinen großen Luxus. Unsere ganze Freude gehört dem Reisen, der Natur“, erzählen die beiden. Und man möchte ergänzen: neben Pützchens Markt. Lange Zeit zog es sie in den Norden. Mit einem alten umgebauten Campingbus. Allerdings erst nach der Erfahrung eines Urlaubs im Zelt. „Tagsüber war das ja wunderbar, aber nachts ein Horror für mich“, gesteht die gelernte Versicherungskauffrau. Überall Geräusche, nichts abzuschließen – nein, das war nichts für sie. Doch im schnuckeligen Bus dem Nordkap entgegenzustreben, Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark zu erkunden – das passte. Für beide. Einmal das Polarlicht live zu erleben, im nördlichsten Dänemark die Füße dort ins Wasser zu stellen, wo sich Nord- und Ostsee küssen, das war ihre Welt. Vom Norden infiziert wurde Wolfgang von einem seiner Lehrer an der Volksschule in Endenich. Er brachte stets nach den Ferien Bilder aus Norwegen mit.

Später weiteten Doris und Wolfgang Schöbel ihre Reiseziele gen Süden aus. Mal Österreich, mal Norditalien, mal Spanien. Oft waren es Busreisen, manchmal auch Touren mit dem eigenen Fahrzeug. Der Gotthard und die Alpen haben es ihnen im Süden besonders angetan. Noch heute geraten sie beim Erzählen ins Schwärmen. Und mit Blick auf die Speisekarten Italiens gestehen die beiden: „Spaghetti und jede Form von Pasta gehen immer“. Durchaus mit einem Anflug von Stolz berichten sie von ihrer „größten“ Anschaffung. Seit sieben Jahren besitzen sie einen Computer, buchen ihre Reisen im Internet selbstständig. Der PC darf als Ausnahme gelten. Denn ansonsten folgen die beiden der Devise: „Neues wird nur angeschafft, wenn das Alte kaputt ist.”

Wer die beiden erlebt spürt: Hier sitzt ein Paar, das mit sich und dem Leben zufrieden ist und in allen Lebenslagen konsequent entscheidet. So auch in jener Zeit, als Doris 1971 dank umsichtiger Kontaktanbahnung durch ihre in Bonn lebende Freundin Helga, Wolfgang, den gelernten und später selbstständigen Schuhmachermeister, kennenlernte. Die ursprüngliche Skepsis „wie soll das denn funktionieren – ich in Berlin, er in Bonn?” war in Sekunden über Bord geworfen, nachdem er erstmals vor ihr stand. Liebe auf den ersten Blick heißt das wohl. Schnell waren die beiden ein Paar. Und als Doris ihren heutigen Ehemann bat, ihr Job und Wohnung in Bonn zu besorgen, tat er es sofort. Die von ihm entdeckte Stellenanzeige eines großen Versicherungsunternehmens erwies sich als Glücksfall. Doris wurde genommen.

Als Wolfgang sie aus Berlin abholte, wusste Doris: Ihr bisheriger Arbeitgeber hatte versprochen, ihr die Stelle freizuhalten. Für den Fall der Fälle. Doch der Tag des Abschieds erwies sich nicht als wankelmütiges Datum: 1. April. Dass die Wohnungsverwalterin bei der Vertragsunterzeichnung für die Bonner Wohnung ein wenig entsetzt feststellte: „Wie, Sie sind noch gar nicht verheiratet?“ stellte eine weitere Weiche. „Dann heiraten wir eben“, beschlossen die beiden und ließen ein halbes Jahr später den Worten Taten folgen.

Die Freude miteinander und die harte Arbeit prägten die folgenden Jahrzehnte. Besonders als Wolfgang 1975 das Geschäft seines vorherigen Arbeitgebers am Bonner Talweg übernommen hatte, und ab Mitte der 1980er Jahre mit dem Geschäft nach Endenich umgezogen ist. Arbeitsbeginn: 5.30 Uhr. Arbeitsende: oft nach 19 Uhr. Doris, die inzwischen einen Job im Verteidigungsministerium angenommen hatte, half täglich im Geschäft. Die beiden erinnern sich: „Wenn die Letzten aus der Traditionskneipe Kerze kamen, begannen wir zu arbeiten.“

Intensive Arbeit, Sparsamkeit und ein wenig Geerbtes ermöglichten dem kinderlosen Paar die Einrichtung des Stiftungsfonds. Er dient dazu, Kindertagesstätten und Schulen Anschaffungen zu ermöglichen, die sonst nicht finanzierbar wären. Mal sind es Roller für die Pänz einer Ganztagsschule, mal eine Beteiligung am Umbau eines Vorplatzes eines Jugendzentrums. Immer im Zentrum der Förderung: Kinder. „Wir möchten dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche etwas Sinnvolles in ihrer Freizeit tun können“, versichern Doris und Wolfgang. Sagen es und machen sich auf den Weg zu etwas für sie persönlich Sinnvollem: Pützchens Markt.

Bonn, den 11.09.2017

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