Stifterportrait

Dem Karneval und Brauchtum eng verbunden

Hans Peter Dechert gründete 2013 die Stiftung Bonner Karneval

Nicht nur für Menschen, die im Beueler Stadtteil Oberkassel beheimatet sind, gilt er als Institution. Auch im Linksrheinischen hat er Spuren hinterlassen. Hat einen großen Teil seiner Freizeit dem Karneval, dem Brauchtum und dem Sport gewidmet. Er ist einer von jenen, die man im Volksmund gerne als „Hans Dampf in allen Gassen“ bezeichnet, einer, der wohl auch damit leben muss – oder darf -, dass er bekannt ist wie ein „bunter Hund“. Die Rede ist von Hans Peter Dechert (Jahrgang 1937), jenem Oberkasseler Jongen, der im Januar 2013 die Stiftung Bonner Karneval mit 50.000 Euro Stiftungskapital gründete. Den Namen der Stiftung wählte er bewusst. Schließlich erhofft er sich Zustiftungen anderer Brauchtumspfleger.

Warum ihn der Karneval und das Brauchtum so faszinieren, vermag er bis heute gar nicht so genau zu sagen. Von seinen Eltern kann er das Faible jedenfalls nicht geerbt haben. „Nein, die beiden haben sich dafür weniger interessiert“, erinnert sich Dechert. Ihn aber lockten der „Spaß an der Freude“, die Gemeinschaft und Fröhlichkeit. Aber, so räumt er auch ein, „Karneval ist nicht immer lustig“. Manchmal wird es bitterernst. Weiß der Mann, der seit nunmehr 40 Jahren bei den Oberkasseler Jongen aktiv ist und dort auch seit 1994 dem Senat angehört. Wie sehr sich die Zeiten verändert haben, spürt er dort besonders leidvoll. Erstmals gibt es ausgerechnet 2017, im Jahr seiner 40jährigen Vereinszugehörigkeit, keine eigene Karnevalssitzung. „Die letzten waren zu schlecht besucht. Das ist bedauerlich, aber wohl eine allgemeine Entwicklung“, glaubt Dechert. Leider nehme die Zahl junger Menschen, die im Karneval nachrücken und sich engagieren stetig ab. Was nicht nur für die fünfte Jahreszeit, sondern auch für den Sport gelte.

Auch dort kann er aus Erfahrung sprechen. Schließlich gehört er dem TuS Oberkassel als Hobby-Tischtennisspieler seit mehr als fünf Jahrzehnten an, fungiert bis zum heutigen Tag als zweiter Vorsitzender. „Ich war und bin kein besonderes Tischtennis-Talent“, erzählt er. Doch er machte und macht sich als ausgebildeter Schiedsrichter und Funktionär im Westdeutschen Tischtennisverband einen Namen. An die Zeit als Schiedsrichter erinnert er sich besonders gerne. Häufig besuchte er Spiele seines Lieblingsvereins Borussia Düsseldorf. Wenn dann dort ein Schiedsrichter gefragt war, sprang Hans Peter Dechert ein. „Damals war so etwas noch möglich. Es ging halt weniger professionell zu“, erinnert er sich. Geblieben sind aus diesen Zeiten nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch lebendige und regelmäßige, für ihn sehr wertvolle Kontakte. Deutschlands Tischtennis-Ikone Eberhard Schöler etwa zählt er zu seinen Freunden, telefoniert regelmäßig mit ihm. Und auch der zur absoluten Weltklasse gehörige Timo Boll ist ihm bestens bekannt.

Wer mit Hans Peter Dechert spricht, spürt, wie viel ihm Tradition, Treue, Verbundenheit zur Heimat, zu den Vereinen und damit den Menschen wert sind. Dass er dem Vorstand des Potsdam-Clubs sowie vielen Vereinen in Oberkassel angehört, in dem ein oder anderer auch als Funktionär tätig ist, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Er packt an, wo es etwas anzupacken gibt. Und sei es durch eine großzügige Spende. Der Festausschuss Bonner Karneval, in dem er mitwirkt, die Organisatoren der Weiberfastnacht und die Liküra profitieren unter anderem davon. Die Produktion einer eigenen CD der Bönnsche Pänz unterstützte er finanziell. Auf den Mann, der seine Heimatstadt Bonn liebt, weil sie eben Flair habe, ist Verlass. Seit mehr als 30 Jahren hat er keine Prinzenpaarproklamation verpasst, den Rosenmontagszug erlebt er seit langem vom Alten Rathaus aus. Die Bonner Karnevalisten schätzen ihn und wissen ihm seinen Einsatz zu danken. Durch zahlreiche Einladungen als Ehrengast oder die Verleihung karnevalistischer Orden.

Seine Oberkasseler Heimat hat Hans Peter Dechert, der seine Ausbildung bei der Städtischen Sparkasse 1960 begann und dieser bis 1997 treu blieb, nie verlassen. Es sei denn, es ging auf große Reise. Allein Südamerika und Australien hat er noch nicht gesehen. Besonders angetan aber hat es ihm Thailand. „Die Freundlichkeit der Menschen und die einmalige Vegetation sind mir in besonderer Erinnerung geblieben“, sagt er.

Seine schwerste Zeit erlebte er, als seine Frau Ehrengard schwer erkrankte und schließlich 2007 ihrem Leiden erlag. „Das ist zwar inzwischen zehn Jahre her, holt einen aber immer wieder ein“, beschreibt der Fan von Schlagermusik seine Gefühlslage. Daran ändert auch nichts, dass er inzwischen die gleichaltrige Rosegret an seiner Seite weiß. Sie teilt seine Leidenschaft für Karneval und Brauchtum. Es mag bezeichnend sein, dass die beiden sich ausgerechnet an Weiberfastnacht kennengelernt haben.

Bezeichnend für Hans Peter Dechert – einen Menschen, der Gesellschaft sucht und liebt, ist auch, dass er Werte hochhält. Darum hat er schon heute festgelegt: Nach seinem Tod wird mit dem Nachlass ein Stiftungsfonds auf den Namen "Hans Peter und Ehrengard Dechert Stiftung" errichtet, aus dessen Erträgen insbesondere die Förderaktivitäten der Stiftung Bonner Karneval unterstützt werden. Doch bis dahin, so hoffen auch die Karnevalisten, dürfen gerne noch viele, viele Jahre ins Land gehen.

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