Stifterportrait

Stiften beschert „Momente des Glücks“

Die Theodor und Agnes Rohl Stiftung unterstützt besonders Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen

Sie bezeichnet sich selbst als „sonniger Mensch“. Und wohl niemand, der Agnes Rohl gegenübersitzt, sich mit ihr unterhält, sie beobachtet und erlebt, wird ernsthaft widersprechen. Die gebürtige Henneferin, die sich nach eigenem Empfinden seit „Ewigkeiten“ mit Bonn verbunden fühlt und fast so lange auch in der Bundesstadt wohnt, ist mit sich und ihrem Leben im Reinen. Und das auch dank der nach ihr und ihrem verstorbenen Mann Theo benannten Stiftung, der Theodor und Agnes Rohl Stiftung.

Die Stifter und ihre Stiftung

Bereits 2002 wurde sie vom Ehepaar angedacht. Ihr Erspartes soll dazu beitragen, Kinder und Jugendliche, die infolge einer Erkrankung schwerstbehindert sind, wirtschaftlich zu unterstützen. Außerdem, so der Plan, sollten mit den Erträgen ihrer als Startkapital investierten 100.000 Euro der Denkmalschutz und die Denkmalpflege in der Region Bonn gefördert werden. Dass Letzteres ein wenig in den Hintergrund getreten ist, nimmt die Ehefrau des jahrelangen Geschäftsführers des Stadtwerke Bonn-Konzerns gerne in Kauf. Ihr und ihrem Mann ging es immer um Menschen. Um Menschen, denen es „nicht so gut geht wie uns.“

Selbstverständlich ist ihre Haltung nicht. Schließlich wurde ihr „für Bonn und die Stadtwerke lebender Theo“ durch eine Krankheit jäh aus der alltäglichen Zweisamkeit gerissen. Dass ausgerechnet seine Krankheit und sein anschließender Aufenthalt im Rehabilitationszentrum Godeshöhe ein Mosaikstein darstellte, 2006 endgültig die Idee einer Stiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn umzusetzen, mag heute als Glücksmoment für viele von der Stiftung Profitierenden gelten. Zu ihnen zählten 2015 etwa jene Menschen, die an den Reittherapien des Heilpädagogischen Kindergartens Heiderhof oder der Königin-Juliana-Schule teilnahmen. Oder jenes schwerstbehinderte Kind, für das dank dieser Stiftung eine Lagerungsmatratze angeschafft werden konnte. Agnes Rohl erinnert sich: „Wenn ich Theo auf der Godeshöhe besuchte, habe ich so viele Kinder erlebt, die krank sind und die nichts für ihr Schicksal können, da kann man eigentlich nur zu dem Ergebnis kommen, helfen zu wollen.“

Warum aber tauchen in den Listen über die Fördermaßnahmen dieser Stiftung mit schöner Regelmäßigkeit Reittherapien oder Ähnliches auf? Kulturfan Agnes Rohl verrät es, auch wenn sie dabei stets betont: „Sie sollten viel über die Stiftung, weniger über mich schreiben.“ Sie schildert jenes Jahr als sie eine Hirnhautentzündung nicht nur über die Endlichkeit des Lebens nachsinnen ließ, sondern sie auch zur vorübergehenden Aufgabe ihre so geliebten Hobbies Tennis und Fahrradfahren zwang. Reiten sei gut, empfahlen die Ärzte. „Ich hab es getan, auch wenn es mir längst nicht so viel Freude bereitet hat, wie die anderen Sportarten. Aber ich habe eben auch erkannt, welche Bedeutung therapeutisches Reiten hat“, erzählt sie und fügt hinzu: „Heute stehe ich wieder regelmäßig auf dem Tennisplatz.“

Etwas zurückgeben

Agnes Rohl belässt es nicht bei der Stiftung und dem Wissen, durch sie „etwas von dem zurückzugeben, was wir erfahren durften“. Der 1941 geborene „Wassermann“ engagiert sich ehrenamtlich, gönnt so manchen kulturellen Einrichtungen eine regelmäßige kleine Finanzspritze. „Ja“, sagt sie, „ich habe mir im Krankenhaus liegend vorgenommen, anderen zu helfen, wenn ich selbst wieder gesund bin.“ Das ist sie wieder und setzt ihren Vorsatz in die Tat um. Unter anderem, wenn sie zweimal wöchentlich als "Grüne Dame" in der Bücherei des Johanniter-Krankenhauses mitarbeitet, Patienten mit Lektüre versorgt, mit ihnen ins Gespräch kommt, ihnen etwas Abwechslung bietet und Mut zuspricht.

Wie wichtig Kommunikation im Privaten wie im Dienstlichen ist, hat die gelernte Sekretärin auch in ihrer nahezu 40-jährigen Tätigkeit in der Verbindungsstelle des Fahrzeug- und Maschinenbaukonzerns MAN erfahren. „Kontakte helfen“, sagt sie heute und fügt schmunzelnd hinzu: „Verbindungsstelle würde man das heute wohl nicht mehr nennen, sondern eher Lobbybüro.“ Kommunikation erlebte sie ständig bei „ihrem“ Theo – als Geschäftsführer der Stadtwerke setzte der „Bönnsche Jung“ auf sie auch in schwierigen Zeiten. Und das immer im Wissen, dass er in heimischer Umgebung den Austausch und die Reflexion suchen und finden konnte.

Agnes Rohl kann zuhören, sich der Sorgen anderer annehmen. Sie versucht, andere zu ähnlichem Handeln, ja zum „Stiften“ nicht nur zu animieren, sondern dafür zu begeistern. Einen für sie wichtigen Mitstreiter fand Agnes Rohl im ehemaligen Leiter des Bonner Sozialamtes, Dieter Liminski. Er ist Vorstandsmitglied der Theodor und Agnes Rohl Stiftung und ein Beleg für die Einstellung von Agnes Rohl – Netzwerken macht das Leben und die Unterstützung anderer leichter.

Getrieben aber wird die Freundin klassischer Musik und regelmäßige Besucherin des Beethovenorchesters von ihrer Haltung, ihrer Bescheiden- und Zufriedenheit. „Alles, was ich mir heute leisten kann, verdanke ich meinem Mann. Davon möchte ich etwas abgeben. Das wäre auch seine Einstellung gewesen“, erklärt sie. Die Freude und Dankbarkeit der geförderten Kinder und Jugendlichen und ihrer Eltern zu erleben, ist für Agnes Rohl immer wieder ein „Moment des Glücks“.

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