Hermann Reifferscheidt Stiftung

Die Stiftung wurde 2022 von Angelika Reifferscheidt in liebevoller Erinnerung an ihren verstorbenen Ehemann errichtet. Sie engagiert sich im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.

Vermögen:

k. A.
 

Beirat:

Angelika Reifferscheidt, Barbara Dickmann
 

Förderanträge können formlos gestellt werden. Antragsteller müssen vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannte Einrichtungen (z. B. Vereine) oder Körperschaften des öffentlichen Rechts (z. B. Kirchengemeinden) sein.
 

Förderungen in 2025:
  • Kath. Kirchengemeinde St. Thomas Morus - Teilnahme von Jugendlichen an der Gemeindewallfahrt nach Rom und Venedig

  • CJD Hermann-Josef-Haus „Demokratie erleben - Von Berlin lernen“
     

Zustiftungen und Spenden:

Ab einem Betrag von 500 Euro kann mit einer Zustiftung das Stiftungsvermögen erhöht werden. Spenden fließen unmittelbar in Förderprojekte der Stiftung.
 

Bankverbindung:

Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE32 3705 0198 0000 0631 80

Verwendungszweck: Zustiftung/Spende Hermann Reifferscheidt Stiftung

Stifterportrait

Empathischer „Diener“ mit großem Herzen 

Sein Herz schlug für Kinder und Jugendliche. In seinem Leben und darüber hinaus. Im Sinne ihres Mannes, des langjährigen Jugendamtsleiters der Stadt Bonn, hat seine Ehefrau Angelika die Hermann Reifferscheidt Stiftung gegründet.

Die Worte stammen aus dem Mund einer in der Jugendarbeit Tätigen: „Wenn Du ein Problem hast, geh zum Hermann.“ Sie „durfte“ Hermann sagen, wenn sie von jenem Mann sprach, der mehr als zwei Jahrzehnte (1969 bis 1991) das Jugendamt der Stadt Bonn leitete, nachdem er zuvor bereits 13 Jahre lang dort als Stellvertreter fungiert hatte: Hermann Reifferscheidt.

Er war ein Mann der Nähe. Ein Amtsleiter mit Heimatverbundenheit. Mit Stolz auf seine Eltern, seine Herkunft, sein Aufwachsen auf dem elterlichen Bauernhof in Graurheindorf, das er gerne und liebevoll „Bad Graurheindorf“ nannte. Hier, wo er in der Pfarrkirche St. Margareta als Messdiener und später aktiv in der katholischen Jugendarbeit tätig gewesen war. Er fühlte sich dem Pfarrer, Ernst Estermann, verbunden. Vor allem seinen Zielen: Kinder und Jugendliche zu unterstützen, ihre Gemeinschaft zu fördern, ihnen Werte zu vermitteln.
 

Unbürokratisch Lösungen gesucht  

Hermann Reifferscheidt verstand sich im besten Sinne des Wortes als „Diener“. Einer, der antrat, möglichst unbürokratisch Probleme zu lösen. Auch wenn es sich um größere Projekte wie den Bau von Kinderspielhäusern drehte. Wege suchen, wie etwas gelingt, keine, die sagen, das spricht dagegen – das zeichnete ihn aus. So wie seine Menschlichkeit. 

Reifferscheidt wurde 1926 geboren. Mit 16 Jahren begann er nach seinem landwirtschaftlichen Pflichtjahr als Verwaltungslehrling bei der Stadt Bonn. Nur ein Jahr später wurde er eingezogen. Frankreich, Belgien, Holland: Als 17-Jähriger musste er im Zweiten Weltkrieg an vorderster Front kämpfen. Er hatte Glück. Er überlebte und setzte seine Ausbildung im Sozialamt fort. Bis 1956. Nun wechselte er als stellvertretender Leiter ins Jugendamt. Der Aufstieg zum „Chef“ folgte 13 Jahre später. Seinen Arbeitsplatz im Alten Stadthaus verteidigte er mit Herz und Seele. „Hier gehören wir hin, nicht ins neue Stadthaus“, soll er gesagt haben. 


Empathie und Gemeinschaftssinn

Was sein Team, besonders aber auch seine Ehefrau Angelika, zu schätzen wussten, war seine Empathie. Er fühlte sich in die Seele der Menschen. Auch wenn es heikel wurde. So wie in jenem Fall als eine junge Mutter ihr Kind bereits zur Adoption freigegeben hatte, das Kind auch schon bei seinen „neuen“ Eltern lebte und die Mutter es sich doch schmerzhaft anders überlegt hatte. Er verstand die Seele und das Herz der jungen Mutter. Er übernahm Verantwortung. Sprach mit den Menschen, sei es in den Vereinen oder den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Nicht immer konnte er alle Beteiligten zufrieden stellen. „Das nahm er mit nach Hause“, erzählt seine Ehefrau und erinnert sich an die Gespräche in solchen Momenten.

Das Jugendamt wurde zu seiner zweiten Familie. Es wurden gemeinsame Oktoberfeste organisiert, er bat darum, eine Gemeinschaftskasse für die Finanzierung solcher Anlässe anzulegen, auch um die „Ehemaligen“ zur Weihnachtsfeier einzuladen. Hermann Reifferscheidt vergaß Menschen nicht. Niemanden. Gleichgültig, welcher Funktion, welchen Geschlechts, welchen Ranges. Wie selbstverständlich nahm bei seinen Geburtstagsfeiern oder ähnlichen Anlässen der Hausmeister neben dem Akademiker Platz.


Der direkte Draht  

Mittendrin statt nur dabei, könnte seine Devise gelautet haben. Egal wann, egal wo. So wie er etwa ganz selbstverständlich mit Jugendlichen in ihr wassertaugliches Kanu „Agathe“ stieg und eine Probefahrt auf dem Rheinauensee machte. Er suchte den direkten Draht, so auch zu den Medien. Den „Umweg“ übers Presseamt sparte er sich gerne. Und so widmete ihm 1991 anlässlich seines Eintritts in den Ruhestand die bekannte Bonner Lokaljournalistin Eva-Maria Schlier ein „Portrait des Tages“.  

Es beschrieb Reifferscheidt treffend. Etwa, wenn er sich im Text erinnerte, dass das Jugendamt zu Beginn seiner Tätigkeit ein „lästiges Anhängsel“ dargestellt hatte. „Als ich es übernehmen durfte, waren es immerhin schon 52 Mitstreiter.“ 20 Jahre später gab es dort bereits 513 Mitarbeiter/innen. Schlier nannte als Meilensteine seines Engagements: die ersten Spielstuben für Kinder in sozial schwierigen Stadtvierteln, den massiven Ausbau an Kindergartenplätzen. Bonn wurde zu einem bundesweiten Vorbild auf diesem Sektor.


Internationale Begegnungen

Reifferscheidt baute internationale Jugendaustausche auf, fuhr mit den Ratsmitgliedern dorthin, überzeugte sie vom Sinn derartiger Partnerschaften. Finnland und Israel wuchsen ihm besonders ans Herz. Die Frau an seiner Seite teilte die Leidenschaft, so wie jene fürs Wandern mit Freunden, den Garten oder auch das Faible für Opernreisen nach Bregenz, Rom, Baden-Baden oder Verona, wo sich das Paar gleich drei Opern an drei Tagen gönnte.

Im April 2021 ist Hermann Reifferscheidt im Alter von 94 Jahren verstorben. Für ihn und seine Ehefrau stand schon lange fest, dass ihr Vermögen jungen Menschen zugutekommen soll. Folgerichtig haben sie unter dem Dach der Bürgerstiftung die „Hermann Reifferscheidt Stiftung“ errichtet. Ihr Zweck ist die Förderung der kommunalen, christlichen und freien Kinder- und Jugendarbeit in Bildung und musischer Erziehung durch Unterstützung von städtischen Jugendzentren und anerkannten freien Trägern (ohne politischen Hintergrund) und die Förderung von Bildungsreisen von Jugendlichen nach Israel und zu Holocaust-Gedenkstätten. Stifterin Angelika Reifferscheidt betont: „Wir möchten einen Beitrag leisten, Jugendlichen bestmögliche Startbedingungen zu geben. Ich kann auf Materielles gut verzichten. Weniger ist manchmal eben mehr.“ Ihr Ehemann würde wohl ergänzen: „Denn wir können unserem Schöpfer für unser Leben dankbar sein.“